Auswahl und Anpassung des Rollstuhls

Der Aktivrollstuhl für Kinder dient in erster Linie als Fortbewegungsmittel. Daher muss er so eingestellt und ausgestattet werden, dass die Fortbewegung so leicht wie möglich ist, und die Arme beim Antreiben des Rollstuhls in einer möglichst optimalen Position und Haltung sind.
Zugleich dient der Rollstuhl aber auch als Sitz und meistenteils für viel längere Sitzzeiten als z.B. ein Bürostuhl. Das bedeutet wiederum, dass der Sitz und die Rückenlehne einen guten Halt bieten müssen. Die Standardausstattung der gängigen Rollstühle mit der Sitzbespannung, die meist durchhängt, und dem quadratischen Schaumstoffkissen bietet weniger Sitzkomfort als der günstigste Bürostuhl. Ein gutes, angeformtes und festes (im Sinne von nicht durchhängend) Sitzkissen sollte bei jeder Kinderversorgung mitbedacht werden.
Es werden sehr häufig bei Kindern Sitzschalen angefertigt, die auf die Sitzbespannung und vor die Rückenbespannung gesetzt werden. Dabei verändert sich die Sitzposition der Kinder nach vorne und oben, was sich wiederum sehr ungünstig auf die Fahreigenschaften und die Armposition zum Antreiben des Rollstuhls auswirkt.
Beim Rollstuhlbau ist die Möglichkeit dieser Sitzschalen nicht mitbedacht. Der Rollstuhl kann mit der Sitzschale nicht mehr optimal eingestellt werden, da die Position der Hinterräder nicht so weit nach vorne gesetzt werden kann und auch die Sitzhöhe meist zu hoch ist und nicht mehr niedriger positioniert werden kann.
Beim Sitzschalenbau ist wiederum die Fahreigenschaft des Rollstuhls nicht mitbedacht. Oft sind die Sitzschalen zudem noch insgesamt viel breiter und höher als dies notwendig wäre und schränken damit die Bewegungsmöglichkeiten zusätzlich ein.
Die Rollstühle sind genauso schwer und halten genauso viel aus, wie die für Erwachsene. Zum Teil sind die Kinderrollstühle sogar so schwer wie ihre Nutzer.  
Dies wirkt sich sehr negativ auf das Fahrverhalten, besonders beim Starten, Drehen und Bremsen, aus und damit auch auf die Gelenke und die Bewegungsmöglichkeiten der Kinder.
Die Lösung einer Rehafirma in Dortmund, eine in den Rollstuhl integrierte Sitzschale zu bauen, die die Fahreigenschaften nicht beeinträchtigt, ist zukunftsweisend und findet hoffentlich bald Nachahmer.
Die meisten Kinderrollstühle sind klein gebaute Erwachsenenrollstühle. Dabei haben Kinder andere Proportionen als Erwachsene oder benötigen aufgrund der Behinderung andere Optionen z.B. Rückenanpassung bei Spina bifida mit ausgeprägtem Gibbus. Die Rollstühle sind genauso schwer und halten genauso viel aus, wie die für Erwachsene. Zum Teil sind die Kinderrollstühle sogar so schwer wie ihre Nutzer. Dies wirkt sich sehr negativ auf das Fahrverhalten, besonders beim Starten, Drehen und Bremsen, aus und damit auch auf die Gelenke und die Bewegungsmöglichkeiten der Kinder.


Bild links:
Die durchhängende Sitzbespannung bietet keine Grundlage für langes Sitzen.  
Viele Kinderstühle haben einen Faltmechanismus, obwohl sie meist gar nicht gefaltet werden müssen. Aufgrund ihrer Fahreigenschaften und ihres geringeren Gewichts sind starre Rollstühle für Kinder günstiger als Faltfahrer. Wer sich z.B. ein Fahrrad aussucht, möchte in erster Linie, dass das Fahrrad gut fährt und nimmt nicht unbedingt ein Klapprad, weil das besser ins Auto passt.
Viele starre Rollstühle haben einen vorne eng zulaufenden Rahmen. Für die meisten Kinder ist jedoch ein sogenannter Abdurahmen, der sich im vorderen Bereich öffnet, aufgrund der kleinen Sitzbreite günstiger.  


Bild links:
Durch die aufgesetzte Sitzschale verändert sich die Sitzposition nach vorne und oben. Zum Fahren muss sich das Mädchen nach unten beugen und weit nach hinten greifen.





Bild rechts:
Durch die integrierte Sitzschale kann die günstigste Fahrposition eingestellt werden.Das Mädchen kann in aufrechter Position und im größtmöglichen Greifbereich den Rollstuhl antreiben.  
Er bietet mehr Platz für die Beine und Füße (vor allem bei orthopädischen Schuhen). Dies ermöglicht eine günstigere Hüftstellung und bringt mehr Platz zum Ein- und Aussteigen aus dem Rolli. Letzteres machen Kinder aufgrund ihrer kürzeren Arme und geringeren Kraft anders als Erwachsene.
Rollstühle, die geeignet sind für Kinder im Alter von 1 1/2 bis 5 Jahren gibt es bisher nur sehr wenige und sie sind bis auf eine Ausnahme bei den großen Herstellerfirmen nicht mit im Programm.
Der Rollstuhl sollte dem Kind passen wie ein Schuh oder eine Orthese und darf nicht auf Zuwachs ausgemessen werden. Dies ist für das ergonomische Antreiben des Rollstuhls in physiologisch guter Armstellung und optimaler Rumpfposition wesentlich. Ein zu großer und zu breiter Rollstuhl wirkt sich negativ auf die Sitzeigenschaften und das Fahrverhalten aus und fördert bzw. verstärkt Haltungsschäden, Gelenkschäden und Immobilität.
Alle Einzelheiten der Rollstuhlanpassung und der Wahl des Zubehörs aufzuzählen und zu begründen, würde den Rahmen eines Artikels bei weitem sprengen. Hier sei hingewiesen auf das Buch Rollstuhlversorgung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen von S. Bröxkes und U. Herzog, 1. Aufl. 1993, bzw. auf die geplante überarbeitete Neuauflage. Daher erscheint im Folgenden nur eine kurze praktische Anleitung. Auf individuelle Besonderheiten kann dabei nicht eingegangen werden, jedoch bleiben die Prinzipien die gleichen, nur müssen oftmals andere optimierte Lösungen gefunden werden.  
Autorin und Bildmaterial : Ute Herzog